Werterhalt · 02.10.2026 · Lesezeit 7 Min.

Fernwärme München: Die wichtigsten Fragen und Antworten für Eigentümer

Fernwärme in München liefern die Stadtwerke München (SWM) über ein rund 1.000 Kilometer langes Fernwärmenetz. Ob Ihr Gebäude angeschlossen werden kann, zeigt die Karte der SWM-Wärmenetzgebiete. Der Fernwärmepreis liegt ab 1. Oktober 2026 bei 13,99 ct/kWh Arbeitspreis plus Grundpreis, ein Anschluss kostet auf SWM-Seite ab rund 10.350 €. Die KfW fördert mit mindestens 30 %. Eine Anschlusspflicht gibt es nicht, und seit 29. Juli 2026 ist die 65-%-Regel entfallen.

Heizkraftwerk München Süd. Foto: Carsten Steger, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Diese FAQ bündelt die wichtigsten Informationen zum Thema für Gebäudeeigentümer, Eigentümergemeinschaften (WEG) und Vermieter. Lesezeit sparen: Die Kurzantwort steht jeweils im ersten Satz.

Fernwärme in München: Netz, Erzeugung und Wärmewende

Wie funktioniert Fernwärme in München?

Heißes Wasser wird zentral erzeugt und über gut gedämmte Leitungen zu den Gebäuden gepumpt. Im Keller überträgt eine Übergabestation die Wärme an Heizung und Warmwasser im Haus. Im Gebäude braucht es keinen eigenen Heizkessel und keinen Schornstein. Das spart Platz, senkt lokale Emissionen, und die zentrale Erzeugung sorgt für hohe Versorgungssicherheit.

Die Stadtwerke betreiben zwei Arten von Wärmenetzen: In der Innenstadt innerhalb des Mittleren Rings besteht das Fernwärmenetz seit 1908 als Dampfnetz, spätere Netze arbeiten mit Heizwasser. Das Dampfnetz wird auf Heizwasser umgestellt, weil Geothermie nur etwa 120 °C liefert. So kann künftig mehr erneuerbare Energie in die Fernwärmeversorgung fließen.

Woher kommt die Fernwärme in München?

Im Hauptnetz stammte die Fernwärme 2025 zu 66,7 % aus Erdgas, vor allem aus Kraft-Wärme-Kopplung, zu 19,9 % aus Abwärme, zu 11,1 % aus Geothermie und zu 2,1 % aus Biomasse. Bis spätestens 2040 wollen die SWM den Bedarf vor allem mit Tiefengeothermie decken, also mit heißem Thermalwasser aus mehreren Kilometern Tiefe. Sechs Anlagen laufen bereits, darunter der Energiestandort Süd, laut SWM die größte Geothermieanlage Deutschlands. Am Michaelibad entsteht eine Anlage mit über 80 MW für rund 75.000 Haushalte ab 2033. Insgesamt sind zehn Geothermieprojekte an mehreren Standorten geplant. Mit der Geothermie wird die Fernwärme schrittweise unabhängiger von Erdgas. Die Stadt selbst will bis 2035 klimaneutral werden, die Wärmewende ist dafür zentral.

Wie schnell geht der Ausbau des Fernwärmenetzes voran?

Laut Transformationsplan der Stadtwerke soll der Ausbau das Fernwärmenetz um über 600 Kilometer erweitern, rund 60 %, mit Investitionen von etwa 9,5 Milliarden Euro bis 2045. Der Ausbau läuft Schritt für Schritt, Gebiet für Gebiet: In ersten Teilen der Erschließungsgebiete hat er 2025 begonnen, weitere folgen ab 2027. Wann der Ausbau ein Erschließungsgebiet erreicht, teilen die Stadtwerke etwa 3 bis 5 Jahre vorher mit. Ziel der Landeshauptstadt: Fernwärme soll 2045 etwa 62 % der Wärmeversorgung decken, Wärmepumpen rund 33 %. Die Wärmenetze werden damit zum Rückgrat der Wärmeversorgung im ganzen Stadtgebiet.

Wärmeplan München: Wo ist Fernwärme verfügbar?

Hat München eine kommunale Wärmeplanung?

Ja. Der Stadtrat hat den Wärmeplan 2024 beschlossen und im April 2026 den Ergebnisbericht nach Wärmeplanungsgesetz, also vor der Frist zum 30. Juni 2026. Der Wärmeplan zeigt für jedes Gebiet die vorgesehene Wärmeversorgung: Wärmenetz, Prüfgebiet oder dezentral mit Wärmepumpe. Er ist eine unverbindliche Orientierungshilfe. Die Wärmeplanung wird regelmäßig fortgeschrieben; Informationen und Karten zum Wärmeplan veröffentlicht die Stadt im GeoPortal.

Wo ist in München Fernwärme verfügbar?

Fernwärme gibt es vor allem in der Innenstadt, in Freimann, Bogenhausen, Perlach, Sendling, Riem und Teilen des Westens. 54 % der Münchner Bevölkerung wohnen im Verdichtungsgebiet, dort ist das Fernwärmenetz bereits vorhanden. In der Maxvorstadt liegt der größte Teil der Fläche im Netzgebiet, in Obergiesing-Fasangarten (Stadtbezirk 17) etwa die Hälfte, in Feldmoching-Hasenbergl nur ein kleiner Teil. Entscheidend ist immer die genaue Lage des Gebäudes.

Ihre Adresse prüfen Sie in der interaktiven Karte der Wärmenetze auf swm.de: Straße eingeben, per Zoom und Klick den Standort wählen, dann eine unverbindliche Anfrage stellen.

Was bedeutet mein SWM-Wärmenetzgebiet?

  • Verdichtungsgebiet: Das Netz liegt. Die SWM schließen weitere Gebäude an und informieren 3 bis 5 Jahre vorher.
  • Verdichtungsgebiet Dampfnetz: Das Netz liegt und wird auf Heizwasser umgestellt.
  • Erschließungsgebiet ab 2025 bzw. 2027: Ausbau in ersten Teilbereichen ab diesem Jahr; eine Vormerkung ist möglich.
  • Wärmenetz-Untersuchungsgebiet: Ob ein Wärmenetz kommt, wird noch geprüft. Im Untersuchungsgebiet lohnt es sich, flexibel zu planen.
  • Kein Wärmenetzgebiet: Hier ist die Wärmepumpe die naheliegende Lösung.

Was passiert bei der Umstellung des Dampfnetzes?

Bis 2029 stellen die SWM Teile von Haidhausen, der Au, Berg am Laim und Ramersdorf um, ab 2030 Teile von Schwabing und der Maxvorstadt. Eigentümer tauschen dann die Übergabestation, die SWM zahlen einen Zuschuss, etwa 7.000 € bei 300 kW.

Fernwärme München: Kosten und Preise

Wie hoch sind die Fernwärmepreise der Stadtwerke München?

Ab 1. Oktober 2026 gelten im Hauptnetz brutto:

PreisbestandteilPreis brutto
Arbeitspreis13,99 ct/kWh
Grundpreis57,31 € je kW und Jahr
Messpreis219 bis 825 € pro Jahr

Der Arbeitspreis hängt vom Verbrauch ab, der zweite Bestandteil von der vereinbarten Anschlussleistung. Preise und Bedingungen veröffentlichen die SWM in ihren Preisblättern.

Was kostet Fernwärme pro Monat?

Ein Mehrfamilienhaus mit 60 kW und 110.000 kWh Verbrauch zahlt rund 19.160 € im Jahr, also etwa 1.600 € im Monat. Das entspricht rund 17 ct/kWh (genau 17,4 ct). Die Energiekosten je Wohnung hängen von Fläche und Verbrauch ab, zum Beispiel bei 70 m² und gutem Dämmstandard deutlich weniger als im Altbau.

Wie entstehen Preisbildung und Preisentwicklung?

Die SWM passen den Fernwärmepreis vierteljährlich an. Basis der Preisbildung ist eine Preisänderungsklausel, gekoppelt an Indizes für Erdgas, CO₂, Strom, Heizöl, Investitionen und Löhne. Der Arbeitspreis stieg von 11,30 ct/kWh (Mitte 2024) auf 13,99 ct/kWh, ein Plus von 24 %. Treiber ist der Einsatz von Erdgas: Steigt der Gaspreis, steigt der Fernwärmepreis.

Ist Fernwärme in München teurer als Gas?

Der reine Gaspreis ist mit 11,26 ct/kWh niedriger, doch bei der Gasheizung kommen Wartung, Schornsteinfeger und Kessel hinzu. Neue Gas- und Ölheizungen müssen zudem ab 2029 steigende Anteile grüner Brennstoffe nutzen, 60 % ab 2040. Heizen mit Gas oder Heizöl wird dadurch teurer. Am günstigsten im Betrieb ist laut Heizspiegel die Wärmepumpe.

Fernwärme-Anschluss in München

Was kostet ein Fernwärme-Anschluss in München?

Laut SWM-Preisblatt ab 1. August 2026 (brutto):

  • Baukostenzuschuss: 3.967,46 € bis 30 kW, darüber gestaffelt je kW
  • Netzanschlusspauschale: 5.879,79 € (DN 25–40) inklusive 3 Meter im Gebäude
  • Mehrlänge: 827,05 € pro Meter im Erdreich
  • Inbetriebnahme: 502,18 €

Für ein Mehrfamilienhaus mit 60 kW kostet der Anschluss an das Fernwärmenetz damit rund 13.560 €. Hinzu kommen Übergabestation und Arbeiten des Heizungsbauers. Werden Etagenheizungen zentralisiert, entstehen hohe Investitionskosten, die Förderung senkt sie deutlich.

Wie läuft ein Fernwärmeanschluss ab?

  1. Adresse in der Karte prüfen.
  2. Fernwärmeberatung der SWM anfragen.
  3. Hausanschluss im SWM-Netzanschlussportal anmelden.
  4. Förderung vor der Auftragsvergabe beantragen.
  5. Bau von Hausanschluss und Übergabestation.
  6. Inbetriebnahme durch die SWM.

Muss ich mich an Fernwärme anschließen?

Nein, der Anschluss ist freiwillig, Konsequenzen drohen nicht. München hat keinen Anschlusszwang. Ob sich die Fernwärmeversorgung lohnt, entscheiden Sie selbst. Seit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) vom 29. Juli 2026 wählen Gebäudeeigentümer beim Heizungstausch frei unter zehn Optionen, eine davon ist die Fernwärme.

Kann man den Fernwärmeanbieter wechseln?

Nein. Fernwärme ist ein Monopol ohne lokalen Wettbewerb. Verträge laufen höchstens 10 Jahre und verlängern sich um 5 Jahre, die Kündigungsfrist beträgt 9 Monate. Wer auf eine Wärmepumpe umsteigt, kann mit 2 Monaten Frist kündigen.

Fernwärme für Eigentümergemeinschaften und Gasetagenheizungen

Wer entscheidet in der Eigentümergemeinschaft?

Die Eigentümerversammlung beschließt den Anschluss mit einfacher Mehrheit (§ 20 WEG). Alle zahlen, wenn mehr als zwei Drittel der Stimmen und die Hälfte der Anteile zustimmen oder sich die Maßnahme amortisiert (§ 21 WEG). Vertragspartner der SWM ist die Gemeinschaft, vertreten durch den Verwalter.

Welche Heizung statt Gasetagenheizung?

Im Wärmenetzgebiet ersetzt eine Übergabestation die Thermen, in den Wohnungen übernehmen Wohnungsstationen die Heizung. Ohne Netz ist die zentrale Wärmepumpe die Alternative. Die früheren Sonderfristen für Etagenheizungen sind mit dem GModG entfallen; die KfW fördert die Zentralisierung ausdrücklich.

Welche Förderung gibt es für Fernwärme in München?

  • KfW 458: 30 % Grundförderung, für Selbstnutzer plus 16 % Klimageschwindigkeitsbonus (sinkt ab Februar 2027) und bis zu 40 % Einkommensbonus, maximal 70 %.
  • Förderprogramm Klimaneutrale Gebäude der Stadt: plus 15 %, aber nur ohne KfW-Bonus.

Eine Vergleichsrechnung lohnt sich, beantragen Sie Fördermittel immer vor der Auftragsvergabe.

Ist Fernwärme gut für Mieter?

Vermieter legen die Kosten nach Heizkostenverordnung um. Mieter sparen Thermenwartung, haben aber keinen Einfluss auf Preis und Vertrag. Bei einer Umstellung im laufenden Mietverhältnis darf es nicht teurer werden als bisher (§ 556c BGB).

Stichwort Wärmewende: Was sollten Gebäudeeigentümer jetzt tun?

Prüfen Sie Ihre Adresse in der Karte, sprechen Sie mit Ihrer Hausverwaltung und holen Sie eine Auskunft der Stadtwerke ein, bevor die alte Heizung ausfällt. Im Verdichtungsgebiet ist Fernwärme meist die einfachste Lösung, im Erschließungsgebiet lohnt eine vorausschauende Planung, ohne Netz die Wärmepumpe. Weitere Infos und Informationen zum Thema Anschluss erhalten Sie bei der Fernwärmeberatung der Stadtwerke München.

Quellen: SWM-Preisblätter (Fernwärme ab 01.10.2026, Netzanschlüsse ab 01.08.2026), SWM-Kennzeichnung 2025, Landeshauptstadt München (Wärmeplan, FKG-Richtlinie 09/2026), KfW-Merkblatt 458 (09/2026), GModG, AVBFernwärmeV, WEG, BGB. Alle Angaben ohne Gewähr.

Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung.

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