Das Fernwärmenetz in München ist nicht überall gleich aufgebaut. Unter der Innenstadt liegt ein Dampfnetz, das seit 1908 gewachsen ist, außen herum arbeiten Heizwassernetze, und in neuen Quartieren entstehen Nahwärmenetze mit Wärmepumpen. Für Eigentümer macht das einen Unterschied: Die Netzart entscheidet, welche Übergabestation im Keller steht, ob eine Umstellung ansteht und mit welcher Energie die Wärme künftig erzeugt wird. Dieser Beitrag ordnet die Netzarten ein, nennt die Temperaturen und zeigt aus Sicht der Eigentümer, was Gemeinschaften prüfen sollten.
Das Wichtigste in Kürze
- München hat zwei Fernwärmesysteme: das Dampfnetz in der Innenstadt und Heizwassernetze, dazu kommen Nahwärmenetze in Quartieren.
- Das Dampfnetz arbeitet mit 120 bis 150 Grad Vorlauf, umgestellte Heizwassernetze mit 80 bis 100 Grad.
- Der Netztyp bestimmt die Technik im Keller: Dampfumformer oder kompakte Übergabestation mit Wärmetauscher.
- Geothermie mit etwa 120 Grad passt nicht ins Dampfnetz; deshalb stellen die SWM auf Heizwasser um.
- In München gibt es keinen Anschluss- und Benutzungszwang; ein Fernwärmevertrag läuft höchstens zehn Jahre.
Fernwärme, Nahwärme, Gebäudenetz: Was ist der Unterschied?
Fernwärme kommt aus großen zentralen Anlagen und fließt über ein weit verzweigtes Rohrnetz; Nahwärme nutzt Wärmequellen in unmittelbarer Nähe, und ein Gebäudenetz verbindet nur wenige Häuser.
In München betreiben die Stadtwerke München (SWM) ein Verbundnetz von rund 1.000 Kilometern Länge. Bei Nahwärme ist die Quelle in der Regel Grundwasser, das eine Wärmepumpe mit Strom auf Heiztemperatur bringt. Ein Nahwärmenetz eignet sich deshalb vor allem für einzelne Quartiere. Nahwärmenetze binden nahe Energiequellen direkt in die Wärmeversorgung ein.
Ein Gebäudenetz entsteht etwa innerhalb einer Wohnanlage. Die Wärmesatzung der Landeshauptstadt München unterscheidet ebenfalls zwischen Fernwärme aus zentralen Anlagen im regionalen Verbundsystem und Nahwärme aus lokalen Quellen auf Quartiersebene.
Für Eigentümer ist das mehr als Begriffskunde, denn von der Netzart hängen Vertrag, Preisbildung, die Kosten für den Anschluss und die Technik im Haus ab.
| Netzart | Wärmequelle | Reichweite | Typisch für |
|---|---|---|---|
| Fernwärme | Zentrale Anlagen, Kraft-Wärme-Kopplung, Abwärme, Geothermie | Großes Verbundnetz über viele Stadtteile | Innenstadt und umliegende Stadtteile |
| Nahwärme | Lokale Quellen, bei den SWM in der Regel Grundwasser mit Wärmepumpe | Einzelnes Quartier | Neubauquartiere |
| Gebäudenetz | Gemeinsame Heizzentrale der Anlage | Wenige Häuser, etwa eine Wohnanlage | Einzelne Wohnanlagen |
Welche Netzarten gibt es im Münchner Fernwärmenetz?
Das Münchner Fernwärmenetz besteht aus zwei Systemen: einem Dampfnetz in der Innenstadt und mehreren Heizwassernetzen, die mit heißem Wasser statt mit Dampf arbeiten.
Die Fernwärme in München ist über 100 Jahre alt. 1908 wurde erstmals das städtische Krankenhaus Schwabing mit Abwärme eines Kraftwerks versorgt. Daraus ist das Dampfnetz gewachsen, das laut SWM seit 1908 die Innenstadt innerhalb des Mittleren Rings versorgt.
Später kamen Heizwassernetze hinzu, unter anderem in Sendling, Perlach und Freimann. Beide Systeme sind über Kraftwerke und Leitungen miteinander verbunden. Der weitere Ausbau der Wärmenetze folgt der Wärmeplanung der Stadt.
Im Haus erkennen Sie den Unterschied an der Hausübergabestation: Im Dampfnetz arbeitet ein Dampfumformer, im Heizwassernetz eine kompakte Station mit Wärmetauscher. Die Stadtwerke München bauen das Dampfnetz Schritt für Schritt auf Heizwasser um; die Umstellung betrifft Leitungen und Gebäudetechnik. Was das für Gebäude bedeutet, erklärt der Beitrag Dampfnetz Fernwärme München: Umstellung auf Heißwasser.
Wie heiß ist das Wasser im Fernwärmenetz? Temperaturen nach Netzart
Im Dampfnetz liegt die Vorlauftemperatur bei 120 bis 150 Grad Celsius, in den umgestellten Heizwassernetzen gleitend bei 80 bis 100 Grad.
Das Dampfnetz arbeitet laut den technischen Anschlussbedingungen der SWM mit einem Dampfdruck von 1 bis 4 bar. Im Umstellgebiet ist die Vorlauftemperatur gleitend: Sie hängt von der Außentemperatur ab und beträgt im Sommer 80 Grad, im Heizbetrieb bis 100 Grad. Der Rücklauf soll höchstens 40 Grad erreichen.
Je niedriger die Temperatur, desto leichter lassen sich erneuerbare Energiequellen und Wärmepumpen einbinden. Tiefengeothermie liefert in München Wasser von etwa 120 Grad. Für das Dampfnetz ist das zu kühl, für Heizwassernetze passt es. Deshalb ist die Netzart der Schlüssel zur Wärmewende in München: Sie bestimmt, wie schnell Geothermie und Abwärme in der Wärmeversorgung der Stadt ankommen und wie viele Gebäude davon profitieren.
| Netzart | Vorlauftemperatur | Technik im Gebäude | Geothermie nutzbar |
|---|---|---|---|
| Dampfnetz (Innenstadt) | 120 bis 150 Grad, Dampfdruck 1 bis 4 bar | Dampfumformer | Nein, zu kühl |
| Heizwassernetz (Umstellgebiet) | Gleitend 80 bis 100 Grad, Rücklauf höchstens 40 Grad | Kompakte Station mit Wärmetauscher | Ja |
| Niedertemperaturnetz (Quartier Ackermannbogen) | 55 Grad | Übergabestation für niedrige Temperaturen | Ja |
Woher kommt die Fernwärme in München?
Die Fernwärme der SWM stammt noch überwiegend aus Erdgas; bis 2040 soll vor allem Tiefengeothermie den Bedarf decken. Das ist das erklärte Ziel der Stadtwerke.
Ein wichtiger Punkt vorab: Wie groß der Anteil einzelner Energiequellen ist, ändert sich von Jahr zu Jahr. Im Verbundnetz stammte die Fernwärme laut Kennzeichnung 2025 zu 66,7 Prozent aus Erdgas, überwiegend in Kraft-Wärme-Kopplung, bei der Strom und Wärme gleichzeitig entstehen. 19,9 Prozent kamen aus Abwärme, 11,1 Prozent aus Geothermie und 2,1 Prozent aus Biomasse. Mit dem Abschied von Erdgas und anderen fossilen Brennstoffen sinkt auch der CO2-Ausstoß der Wärmeversorgung. Für die Menschen im Haus ändert sich im Alltag wenig: Die Wärme kommt weiter aus der Heizung, nur die Energiequelle dahinter wechselt.
Geothermieanlagen laufen bereits in Riem, in Freiham und am Energiestandort Süd in Sendling. Jede Geothermieanlage nutzt Erdwärme aus der Tiefe und speist diese Energie in das Fernwärmenetz ein; ihre Nutzung ersetzt schrittweise Erdgas. Der Ausbau der Fernwärmeversorgung und der Wärmenetze braucht erhebliche Investitionen in Anlagen und Netze. Das Ziel der SWM ist, den Münchner Fernwärmebedarf bis 2040 überwiegend mit Tiefengeothermie zu decken. Auch das Gesetz gibt den Takt vor: Jedes Wärmenetz muss ab 2030 zu mindestens 30 Prozent und ab 2040 zu mindestens 80 Prozent aus erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme gespeist werden (§ 29 Wärmeplanungsgesetz). Diese Vorgaben der Bundesregierung gelten für Kommunen, Städte und Gemeinden in der ganzen Region gleichermaßen; auch europäische Vorgaben (EU) zur Energieeffizienz setzen den Rahmen. In München setzen die Stadt und die Stadtwerke die Vorgaben gemeinsam um.
Wie belastbar die Klimabilanz ist, erklärt der Beitrag Ist Fernwärme CO2-neutral?.
Welche Wärmenetzgebiete unterscheiden die Stadtwerke München?
Die SWM weisen jeder Adresse ein Wärmenetzgebiet zu: Verdichtungsgebiet, Verdichtungsgebiet Dampfnetz, Erschließungsgebiet oder Untersuchungsgebiet; die Einteilung gehört zur kommunalen Wärmeplanung.
Im Verdichtungsgebiet liegt das Fernwärmenetz bereits; weitere Gebäude werden in Zeitscheiben angeschlossen. Im Verdichtungsgebiet Dampfnetz liegt das Netz ebenfalls, wird aber auf Heizwasser umgestellt. In Erschließungsgebieten ist das Netz noch nicht flächendeckend vorhanden, die Verlegung startet in Teilgebieten. In Untersuchungsgebieten prüfen die SWM noch, ob ein Wärmenetz kommt.
Ob ein Anschluss möglich ist, hängt von den technischen Voraussetzungen am Standort ab, etwa davon, ob das Netz schon in der Straße liegt. Die Gebiete im Detail erklärt der Beitrag Fernwärme-Gebiete in München.
Was bedeuten die Netzarten für Eigentümer und Gemeinschaften?
Die Netzart entscheidet, welche Technik im Keller nötig ist, ob eine Umstellung ansteht und wann ein Anschluss möglich ist. Einen Anschlusszwang gibt es in München nicht.
Die Wärmesatzung der Stadt München enthält keinen Anschluss- und Benutzungszwang, sie wirkt nur verwaltungsintern. Eigentümer entscheiden also selbst, ob sie anschließen; für Kunden der SWM gelten dann die Bedingungen der AVBFernwärmeV. Seit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) vom 29. Juli 2026 kann der Anschluss an ein Wärmenetz eine Möglichkeit beim Heizungstausch sein; ein eigener Heizkessel und ein Brennstofflager sind dann nicht mehr nötig.
Die Versorgung der Gebäude richtet sich nach dem Netzgebiet. Wer anschließt, schließt einen Versorgungsvertrag mit höchstens zehn Jahren Laufzeit. Ohne Kündigung neun Monate vor Ablauf verlängert er sich um jeweils fünf Jahre (§ 32 AVBFernwärmeV). Wie sich Preisklauseln auswirken, behandelt der Beitrag Fernwärme-Preiserhöhung und EuGH-Urteil.
Im Dampfnetzgebiet müssen Eigentümer ihre Dampfumformer durch kompakte Stationen ersetzen; die SWM bieten dafür nach eigenen Angaben einen Zuschuss. Die Kosten gehören in die Erhaltungsplanung der Gemeinschaft, siehe Instandhaltungsplanung über zehn Jahre. Die Eigentümer teilen die Kosten nach dem Verteilungsschlüssel der Gemeinschaft.
Aus Sicht der Eigentümer sind die Vorteile: der Wegfall des eigenen Heizkessels, des Brennstofflagers und der Lagerung von Brennstoffen sowie in der Regel ein geringerer Wartungsaufwand. Dem steht die Bindung an einen Versorger gegenüber, auch die Kosten für Anschluss und Umbau der Übergabestation müssen Eigentümer einplanen. Der Preis richtet sich nach dem Preisblatt der SWM, abgerechnet wird unter anderem die bezogene Wärmemenge. Konkrete Preise nennen wir hier nicht; sie ändern sich und gehören in den Vergleich der Angebote. Für alle Haushalte im Haus gilt: Die Entscheidung trifft die Gemeinschaft, und die Hausverwaltung spielt bei Vorbereitung und Umsetzung eine zentrale Rolle.
So prüfen Sie Ihre Adresse: Vorgehen in fünf Schritten
Prüfen Sie zuerst das Netzgebiet Ihrer Adresse, dann die vorhandene Übergabestation und den Wärmebedarf, bevor die Eigentümerversammlung entscheidet.
Das Wärmeplanungsgesetz verpflichtet Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern, bis zum 30. Juni 2026 einen Wärmeplan vorzulegen. München hat seine Planung veröffentlicht. Die Wärmeplanung der Stadt informiert Eigentümer und steuert den Ausbau des Netzes. Aus der Wärmeplanung leiten sich später konkrete Maßnahmen für den Netzausbau und für Alternativen zur Fernwärme ab. Für eine Gemeinschaft heißt das: nicht warten, sondern planen.
| Schritt | Was passiert | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1 | Netzgebiet der Adresse bei den SWM prüfen | Dampfnetz, Heizwassernetz, Erschließungs- oder Untersuchungsgebiet |
| 2 | Hausübergabestation und Anschlusswert klären | Ob Dampfumformer oder kompakte Station vorhanden ist |
| 3 | Wärmebedarf und Zustand der Heizungsanlage bewerten | Grundlage für den Vergleich der Optionen |
| 4 | Angebote und Vergleichsvarianten einholen | Fernwärme, Wärmepumpe und weitere Optionen im Vergleich |
| 5 | Beschluss in der Eigentümerversammlung vorbereiten | Zeitpunkt und Finanzierung in der Erhaltungsplanung |
Wie LIKKA Gemeinschaften bei Fernwärme und Wärmewende begleitet
LIKKA prüft für jede verwaltete Anlage das Netzgebiet und stimmt Anschlüsse oder Umstellungen mit Beirat, Fachplanern und Experten ab.
Wir verfolgen Ankündigungen der Stadtwerke München und bereiten die Beschlüsse für die Eigentümerversammlung vor. Unsere Energieberatung vergleicht Fernwärme, Wärmepumpe und andere Optionen für das konkrete Gebäude; die Umsetzung begleiten wir im Rahmen der WEG-Verwaltung.
Für die WEG-Verwaltung berechnet LIKKA je nach Objektgröße rund 30 bis 70 € netto je Einheit und Monat.
Häufige Fragen
Welche Fernwärmenetze gibt es in München?
Ein Dampfnetz in der Innenstadt innerhalb des Mittleren Rings und mehrere Heizwassernetze, unter anderem in Sendling, Perlach und Freimann. Dazu kommen Nahwärmenetze in Quartieren, die lokale Quellen wie Grundwasser mit Wärmepumpen nutzen.
Rechtsgrundlage: Wärmesatzung der Landeshauptstadt München
Was ist der Unterschied zwischen Fernwärme und Nahwärme?
Fernwärme kommt aus großen zentralen Anlagen und fließt über ein weit verzweigtes Netz. Nahwärme nutzt Quellen direkt im Quartier, also nah am Verbrauchsort, bei den Stadtwerken meist Grundwasser mit Wärmepumpe, und versorgt nur ein begrenztes Gebiet.
Rechtsgrundlage: Wärmesatzung der Landeshauptstadt München
Wie hoch ist die Vorlauftemperatur der Fernwärme in München?
Im Dampfnetz liegt sie bei 120 bis 150 Grad. In umgestellten Heizwassernetzen ist sie gleitend und beträgt je nach Außentemperatur 80 bis 100 Grad, der Rücklauf soll höchstens 40 Grad erreichen.
Rechtsgrundlage: Technische Anschlussbedingungen der SWM
Woher kommt die Fernwärme in München?
Laut Kennzeichnung 2025 stammt die Wärme zu zwei Dritteln aus Erdgas (mit entsprechendem CO2-Ausstoß), zu knapp 20 Prozent aus Abwärme, zu gut 11 Prozent aus Geothermie und zu 2 Prozent aus Biomasse. Bis 2040 soll vor allem Tiefengeothermie die Wärme liefern.
Rechtsgrundlage: § 29 WPG
Gibt es in München einen Anschlusszwang für Fernwärme?
Nein. Die Wärmesatzung der Stadt enthält keinen Anschluss- und Benutzungszwang. Eigentümer entscheiden frei, ob sie anschließen.
Rechtsgrundlage: Wärmesatzung der Landeshauptstadt München
Wie lange läuft ein Fernwärmevertrag?
Höchstens zehn Jahre. Wird er nicht neun Monate vor Ablauf gekündigt, verlängert er sich um jeweils fünf Jahre. Diese Regeln gelten für Kunden der Stadtwerke wie für Kunden anderer Versorger.
Rechtsgrundlage: § 32 Abs. 1 AVBFernwärmeV
Welche Vorteile hat Fernwärme für Eigentümer?
Im Haus entfallen der eigene Heizkessel und das Brennstofflager, in der Regel sinkt auch der Wartungsaufwand. Dem steht die Bindung an den Versorger und die vertragliche Laufzeit gegenüber.
Rechtsgrundlage: § 32 Abs. 1 AVBFernwärmeV
Warum stellen die Stadtwerke das Dampfnetz auf Heizwasser um?
Geothermisches Wasser hat etwa 120 Grad und lässt sich nicht in das Dampfnetz einspeisen. Heizwassernetze arbeiten mit niedrigeren Temperaturen und ermöglichen die Nutzung von Geothermie.
Rechtsgrundlage: Technische Anschlussbedingungen der SWM
Rechtsgrundlage: § 32 AVBFernwärmeV; § 29 WPG; Wärmesatzung der Landeshauptstadt München
Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung.
Änderungsverlauf
Aktualisiert am 07.10.2026: Überarbeitet: Netzarten, Temperaturen und Vorgehen in fünf Schritten, Übersichtstabellen und Häufige Fragen ergänzt


