Energie und Heizung · 03.10.2026 · Lesezeit 4 Min.

Fernwärme Verdichtungsgebiet, Erschließungsgebiet, Untersuchungsgebiet: Die Wärmenetzgebiete in München einfach erklärt

Verdichtungsgebiet, Erschließungsgebiet ab 2025 oder 2027, Untersuchungsgebiet oder kein Wärmenetzgebiet: Was die Kategorien der Stadtwerke München bedeuten, wie Sie Ihre Adresse prüfen und was Eigentümer in jedem Gebiet tun sollten.

Von Carmen ReinerB.A., Prokuristin

Foto: Kmtextor, CC BY 4.0, Wikimedia Commons

Ob ein Haus in München an die Fernwärme kann, hängt von seiner Lage ab. Die Stadtwerke München (SWM) teilen das Stadtgebiet dafür in Wärmenetzgebiete ein, die auf ihrer Karte und im Wärmeplan der Stadt erscheinen. Die Begriffe klingen technisch, haben aber handfeste Folgen: Sie sagen, ob das Netz schon in der Straße liegt, ob es in den nächsten Jahren kommt oder ob eine andere Heizlösung naheliegt. Dieser Beitrag erklärt jede Kategorie, zeigt Beispiele aus den Münchner Stadtbezirken und beantwortet die häufigsten Fragen von Eigentümern.

Woher die Gebiete kommen

Die Gebiete stammen aus der Wärmenetze-Karte der SWM und fließen in die kommunale Wärmeplanung der Landeshauptstadt ein. Das Wärmeplanungsgesetz, seit 1. Januar 2024 in Kraft, verpflichtet Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern, die Erstellung ihres Wärmeplans bis zum 30. Juni 2026 abzuschließen. München hat den Wärmeplan im November 2024 beschlossen und im April 2026 den Ergebnisbericht vorgelegt; er gibt Bürgern Orientierung für Entscheidungen zu Heizung und Energie, ist aber unverbindlich. Die Daten der Gebiete, die die SWM über das städtische Geoportal bereitstellen, tragen überwiegend das Veröffentlichungsdatum 19. November 2024. Veränderungen der Grenzen und der Darstellung sind möglich, maßgeblich ist immer die aktuelle Auskunft der SWM für die konkrete Adresse.

Die fünf Gebietskategorien der SWM
  1. VerdichtungsgebietNetz liegt, Anschluss in Zeitscheiben
  2. Verdichtungsgebiet DampfNetz liegt, wird auf Heißwasser umgestellt
  3. ErschließungsgebietAusbau in ersten Teilgebieten ab 2025 oder 2027
  4. UntersuchungsgebietNoch offen, ob ein Wärmenetz kommt
  5. Kein WärmenetzgebietKeine netzbezogene Versorgung absehbar

Verdichtungsgebiet: Das Netz liegt schon

Im Verdichtungsgebiet ist die Infrastruktur bereits verlegt und ein Fernwärmenetz in Betrieb; angeschlossene Häuser brauchen keine eigene Heizungsanlage mit Kessel mehr. Ab spätestens 2040 soll die Wärme darin nach dem Ziel der SWM vor allem aus Geothermie stammen statt aus Erdgas. Gesetzlich muss jedes Wärmenetz ab 2030 zu mindestens 30 Prozent und ab 2040 zu mindestens 80 Prozent aus erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme gespeist werden (§ 29 Wärmeplanungsgesetz). Verdichtungsgebiete liegen meist in dicht bebauten Stadtteilen, denn je höher die Wärmedichte, desto wirtschaftlicher ist ein Netz. Die SWM schließen hier weitere Gebäude in sogenannten Zeitscheiben an und informieren Eigentümer etwa drei bis fünf Jahre vorher. In Einzelfällen kann ein Anschluss trotzdem technisch oder wirtschaftlich nicht möglich sein, etwa wenn die Leitung zu weit entfernt liegt.

Eine Sonderform ist das Verdichtungsgebiet Dampfnetz in der Innenstadt: Das Netz liegt ebenfalls, wird aber in den kommenden Jahren auf Heißwasser umgestellt. Was das für die Übergabestation und den Zuschuss bedeutet, erklärt der Beitrag Dampfnetz oder Heißwassernetz.

Erschließungsgebiet ab 2025 oder ab 2027: Das Netz kommt

Im Erschließungsgebiet ist ein Fernwärmenetz aktuell nicht flächendeckend vorhanden. Die SWM bauen es aus, in ersten Teilgebieten ab 2025 oder ab 2027; beide Jahreszahlen sind eigene Kategorien. Das Jahr markiert den Beginn von Planung und Bau im Gebiet, nicht den Anschlusstermin für jedes einzelne Haus. Auch hier können sich die Grenzen ändern.

Nach unserer Auswertung der Karte haben vor allem Obergiesing-Fasangarten, Milbertshofen-Am Hart, Berg am Laim und Sendling größere Erschließungsflächen von jeweils rund sieben bis acht Prozent ihrer Bezirksfläche.

Erschließungsflächen: Bezirke mit den größten Anteilen
Obergiesing-Fasangarten8,2 %
Milbertshofen-Am Hart7,6 %
Berg am Laim7,5 %
Sendling7,3 %
Eigene Auswertung der SWM-Wärmenetzgebiete (Datenstand 19.11.2024) auf Basis der Bezirksgrenzen, Rasterverfahren 10 m

Untersuchungsgebiet: Noch offen

Im Wärmenetz-Untersuchungsgebiet prüfen die SWM, ob sich eine netzbezogene Wärmeversorgung umsetzen lässt. Das kann klassische Fernwärme sein, aber auch ein neues dezentrales Netz bis hin zu einem Gebäudenetz. Eine Zusage ist das noch nicht. Größere Untersuchungsflächen haben nach unserer Auswertung etwa Sendling-Westpark und Pasing-Obermenzing mit jeweils gut einem Viertel ihrer Fläche.

Eigentümer in diesem Gebiet sollten flexibel planen: Steht ein Heizungstausch an, ist je nach Gebäude eine Lösung mit Wärmepumpen ebenso denkbar wie ein späterer Netzanschluss; sinnvoll ist eine Planung, die diesen nicht verbaut, etwa durch Platz für eine Übergabestation oder eine Übergangslösung.

Kein Wärmenetzgebiet: andere Wege wie Wärmepumpen

Wo die SWM kein Wärmenetzgebiet ausweisen, ist aktuell und auf absehbare Zeit keine netzbezogene Wärmeversorgung vorgesehen. Hier liegen dezentrale Lösungen nahe, vor allem die Wärmepumpe als Ersatz für eine Heizung mit Gas oder Öl. Welche Förderungen dafür infrage kommen, sollte vor der Entscheidung geprüft werden. Seit dem Gebäudemodernisierungsgesetz vom 29. Juli 2026 wählen Eigentümer beim Heizungstausch unter zehn gleichrangigen Optionen; die Fernwärme ist eine davon, aber eben nur dort, wo ein Netz kommt.

Fast ohne Fernwärmenetz sind nach unserer Auswertung etwa Allach-Untermenzing und Feldmoching-Hasenbergl. Wie viel Fläche jedes Stadtbezirks in welchem Gebiet liegt, zeigt unsere Fernwärme-Karte für München.

So prüfen Sie Ihre Adresse

Den ersten Überblick nach Stadtbezirk gibt unsere Karte. Für die konkrete Adresse ist die Wärmenetze-Karte der SWM maßgeblich: Adresse eingeben, Standort wählen und bei Interesse eine unverbindliche Anfrage stellen. Ergänzend zeigt das Geoportal der Stadt den Wärmeplan. Für eine Eigentümergemeinschaft lohnt es sich, das Ergebnis in die Erhaltungsplanung aufzunehmen, damit ein Heizungstausch zum richtigen Zeitpunkt kommt. Einen Überblick über die Netzarten gibt der Beitrag Fernwärmenetze in München, Fragen zu Preis, Kosten und Anschluss beantwortet unsere Fernwärme-FAQ.

Wir prüfen für die von uns verwalteten Häuser das Netzgebiet, verfolgen die Ankündigungen der SWM und bereiten Entscheidungen über Anschluss oder Heizungstausch mit Vergleichsangeboten vor. Mehr dazu bei unserer Energieberatung.

Was Eigentümer je Gebiet tun sollten
Netz liegt

Anschluss anfragen, Termin in die Erhaltungsplanung, Vergleich mit anderen Optionen

Netz kommt oder wird geprüft

Flexibel planen, Übergangslösung erwägen, SWM-Ankündigungen verfolgen

Kein Netz

Dezentrale Lösung wie Wärmepumpe prüfen

Das Wichtigste in Kürze
  • Verdichtungsgebiet: Netz liegt, Anschluss in Zeitscheiben, Information drei bis fünf Jahre vorher
  • Erschließungsgebiet: Ausbau in ersten Teilgebieten ab 2025 oder 2027
  • Untersuchungsgebiet: noch offen, ob und welches Netz kommt
  • Maßgeblich ist die SWM-Auskunft zur konkreten Adresse; Grenzen können sich ändern

Häufige Fragen

Was bedeutet Verdichtungsgebiet bei der Fernwärme?

Dass das Fernwärmenetz in diesem Gebiet bereits liegt. Weitere Gebäude werden in Zeitscheiben angeschlossen; die Stadtwerke informieren etwa drei bis fünf Jahre vorher.

Was ist der Unterschied zwischen Verdichtungsgebiet und Erschließungsgebiet?

Im Verdichtungsgebiet liegt das Netz schon, im Erschließungsgebiet wird es erst gebaut, in ersten Teilgebieten ab 2025 oder ab 2027.

Bekomme ich im Erschließungsgebiet sicher Fernwärme?

Nicht automatisch. Das Jahr bezeichnet den Beginn des Ausbaus im Gebiet, nicht den Anschlusstermin für jedes Haus, und die Grenzen können sich ändern. Die verbindliche Auskunft gibt die SWM für die konkrete Adresse.

Was heißt Wärmenetz-Untersuchungsgebiet?

Die Stadtwerke prüfen noch, ob sich dort eine netzbezogene Wärmeversorgung lohnt, als Fernwärme oder als dezentrales Netz. Eine Zusage ist das nicht.

Was mache ich, wenn mein Haus in keinem Wärmenetzgebiet liegt?

Dann ist auf absehbare Zeit kein Wärmenetz geplant. Naheliegend sind dezentrale Lösungen wie die Wärmepumpe; das Gebäudemodernisierungsgesetz lässt beim Heizungstausch zehn Optionen zu.

Wo kann ich prüfen, in welchem Gebiet mein Haus liegt?

In der Wärmenetze-Karte der Stadtwerke München mit Adresssuche. Einen Überblick nach Stadtbezirk bietet unsere Fernwärme-Karte, den Wärmeplan zeigt das Geoportal der Stadt.

Muss ich mich anschließen, wenn mein Haus im Verdichtungsgebiet liegt?

Nein. In München gibt es keinen Anschluss- und Benutzungszwang; die Wärmesatzung der Stadt wirkt nur verwaltungsintern.

Ihre Frage ist nicht dabei?

Stellen Sie sie uns direkt. Wir antworten persönlich per E-Mail, in der Regel innerhalb eines Werktags.

Rechtsgrundlage: Wärmeplanungsgesetz; Wärmesatzung der Landeshauptstadt München; GModG

Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung.

Heizung, Fernwärme, Sanierung?

Unsere Energieberatung vergleicht die Optionen für Ihr Gebäude und begleitet die Umsetzung in der Gemeinschaft.

Johannes Gebhardt
Ihr AnsprechpartnerJohannes GebhardtDipl.-Kaufmann, Vertriebsleiterneustart@likka-immobilien.de
AnrufenNeustart anfragen